Reiseberichte

Im Schein des Nordlichts

Fischen jenseits des Polarkreises – Mit Blick auf die berühmten Lofoten erstreckt sich östlich von Bodø eine traumhafte Angelregion im südlichen Vestfjord, die bislang wenig bekannt ist. Lars Berding hat das Revier unter die Rutenspitze genommen.

Die atemberaubende Natur empfängt uns mit schroffen Felsformationen, die von unzähligen, malerischen Buchten mit weißen Sandstränden unterbrochen werden. Seeadler ziehen am Himmel ihre Bahnen und saftig grüne Hügel säumen selbst jetzt in der kalten Jahreszeit die Berghänge: Das Klima ist dank Golfstrom ganzjährig mild.

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Siragrunnen, Listaplateau und einige der besten Uferangelplätze Norwegens

Siragrunnen, Listaplateau und einige der besten Uferangelplätze Norwegens

Endlich ist es wieder soweit, Norwegen ruft. Dieses Mal werden wir den Urlaub mit einer Minikreuzfahrt von Hirtshals nach Stavanger beginnen. Das Schiff, die MS Bergensfjord, der Fjord Line macht einen prima Eindruck, auch die Kabine entspricht allen Erwartungen. Den Sonnenuntergang können wir beim Essen beobachten. Das Buffet lässt keine Wünsche offen. Die Fahrt entlang der norwegischen Küste bringt viele schöne Erinnerungen zurück. Schnell ist die Nacht vorbei, ausgeschlafen erreichen wir Stavanger.
Nach zweistündiger Fahrt sind wir wieder auf Hidra. Obwohl die Fänge auch so außergewöhnlich sind wie vor zwei Jahren? Haus und Boot werden inspiziert, wir sind begeistert. Wie immer konnten wir bei „come2norway“ ein Haus buchen, das unserem Geschmack zu 100% entspricht, auch die in den vergangenen Jahren von uns besuchten Häuser Panorama, Asly, Arne und Karen sind jedem zu empfehlen. Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir zu unseren Lieblingsstellen, einige Dorsche und Köhler sind schnell gefangen, genug für das erste Urlaubsabendessen.
Das Wetter bleibt die gesamte Woche schön, wenig Wind, herrlicher Sonnenschein, kaum Wellen. So ist in diesem Jahr der Siragrunnen, die für mich beste Angelstelle in Südnorwegen, problemlos zu erreichen. Das Wasser ist hier zwischen 20 und 30 m tief, eine leichte Ausrüstung genügt. Beim Pilken bringt oft jeder Wurf einen Biss, hauptsächlich Dorsche zwischen 50 und 80 cm aber auch zwei Dorsche von über einem Meter sind dabei. Ebenfalls können wir Leng, Lumb, Lippfisch, Hornhecht, Pollack und Köhler erbeuten. Anglerherz was willst du mehr? Da wir nur Fisch für das Abendessen benötigen, werden die meisten schonend zurückgesetzt. Bei der geringen Wassertiefe und schonendem Drill ist das kein Problem. Die Rückfahrt, in Ufernähe, dicht an der Einfahrt nach Ana Sira entlang, zeigt uns wieder einmal wie artenreich die Gewässer um Hidra sind. Drei Schweinswale begleiten unser Boot, mehrere Lachse und Meerforellen springen aus dem Wasser. Schade, dass wir die Wobbler im Haus gelassen haben.

Ich habe meine Drohne mitgebracht, um Luftaufnahmen von der wunderschönen Insel zu machen. Durch die „Predator Brille“ gesehen, fliegt man direkt im Cockpit des Helis mit. Wunderschöne Aufnahmen von Rasvag, dem Mittelfjord und Kirkehamn gelingen. Zum Schluss möchte ich noch einmal über den Hafen fliegen und die Kirche in strahlendem Sonnenschein aufnehmen. Plötzlich wackelt der Quadrokopter wie wild, ist kaum noch zu kontrollieren, doch der Spuk ist nach einigen Sekunden vorbei, der Heli landet sicher vor meinen Füssen. Zuerst scheint alles in Ordnung doch dann bemerken wir, der Gimbal und die Kamera fehlen. Die neue Hero 4 ist im Hafenbecken verschwunden. Obwohl wir ungefähr wissen, wo sie ins Hafenbecken gestürzt ist, bleiben unsere Tauchversuche ergebnislos.

Die nächsten Tage verbringen wir auf dem Siragrunnen. Sebastian fängt einige Leng beim Driften auf Naturköder. Da keine Heringe und nur wenige Makrelen zu finden sind, müssen kleine Pollak- und Dorschhappen als Köder herhalten aber auch Reker sind fängig. Ein gewaltiger Biss in 30 m Tiefe, fünf, sechs Minuten Drill, 100 m Schnur sind abgezogen, dann ist der Spuk vorbei. Was mag es gewesen sein, Heilbutt, Seehecht oder Dornhai? Wir werden es nie erfahren.

Sebastian hat aus Deutschland „Smokewood“ mitgebracht, welches den Fischen einen besonderen Geschmack, sowohl beim Grillen als auch beim Räuchern, verleihen soll. Zusammen mit den Gewürzen vom BBQ Point sorgte es für abendlichen Hochgenuss. Wer es ausprobieren möchte, dem sind diese Webseiten zu empfehlen: http://www.smokewood-germany.de/ und https://www.bbqpoint.de/.

Am vorletzten Tag auf Hidra erreichen die Makrelen die Küste. Das Wasser ist immer noch 2 Grad kälter als im Durschnitt, wahrscheinlich hängt dies mit dem El Nino Phänomen zusammen. Aber wenn die Makrelen da sind, die ersten in diesem Jahr sind außergewöhnlich groß, alle zwischen zwei und drei Pfund schwer, sind in wenigen Minuten genug für den Grill gefangen. Makrelen mit Kartoffelsalat sind unser letztes Abendessen auf Hidra, schade, dass die Woche so schnell vorbeigegangen ist aber wir kommen im nächsten Jahr wieder. Aufgrund des schönen Wetters brauchten wir uns in diesem Jahr kein Alternativprogramm überlegen.

Weiter geht es nach Borhaug. Als wir uns entschieden hatten auch eine Woche nach Borhaug zu fahren, waren die von uns gewünschten Häuser ausgebucht. Notgedrungen buchten wir das „Havnebua“. Wir haben es nicht bereut, im Gegenteil, wir werden hier auch den nächsten Borhaug-Urlaub verbringen. Die Wohnung ist sehr schön eingerichtet, das Boot ideal zum Angeln auf dem Listaplateau. Am Nachmittag dreht der Wind, dichter Nebel kommt auf, natürlich zieht es uns trotzdem wieder aufs Wasser. Schon kurz hinter der Hafenmole die ersten Makrelen, nie zuvor haben wir in Norwegen solche Riesen gesehen. Etliche Plätze auf dem Plateau werden befischt, Dorsche, Leng, Pollack und Köhler können den leichten Pilkern nicht widerstehen. Das Plateau gehört sicherlich zu den besten Fischgründen Südnorwegens. Auch am folgenden Tag perfekte Fischwaid. Der Wind dreht wieder und frischt stark auf, kein Boot ist nach dem Mittag mehr auf dem Wasser. Da der Wetterbericht Sturm voraussagt wollen wir noch einen kurzen Angeltrip unternehmen. Wie gut, dass wir so ein hochseetüchtiges Boot haben. Trotz guter Fänge, entschließen wir uns zurückzufahren. Die Wellen sind schon ausgesprochen hoch. Plötzlich glaubt Sebastian etwas in 500 m Entfernung gesehen zu haben. Ein Mann, so glaubt er, soll mit einem Ruder gewinkt haben. Es vergehen noch einige Minuten bis ich ihn von einem Wellenkamm auch sehe. Also gegen Wind und Wellen zum wahrscheinlich in Seenot geratenem. Blutig sind die Hände des deutschen Anglers vom Rudern, er hat schon aufgegeben. Er erzählt uns, dass der Motor nicht mehr anspringt und die Strömung ihn immer mehr vom Land fortgetrieben hat. Ein Handy hat er nicht mit, keine Chance Hilfe zu rufen, auch die Schwimmweste hat er vergessen. Aus meiner Sicht ist es absoluter Leichtsinn, sich mit einem 15 PS Motor in diese See zu wagen, und ohne Handy und Schwimmweste kann dies leicht tödlich enden. Wir schleppen ihn zum Kleinboothafen Tjörvehavn von dem er aufgebrochen war. Selbst jetzt ist ihm noch nicht bewusst, dass er unglaubliches Glück gehabt hat, den Hafen wieder zu erreichen. Abends treffen wir durch Zufall den Vermieter dieses Bootes, der Angler hatte ihm erzählt, dass der Motor nicht anspringt und er deshalb nicht aufs Meer konnte. Er verlangte sein Geld zurück. Ein Blick auf unsere Fotos zeigt schnell, dass dies nicht der Wahrheit entsprach.

Der Wind bläst weiter so stark, dass sogar die Berufsfischer im Hafen bleiben. Der einzige Nachteil dieses Angelgebietes ist das Fehlen von Inseln und Schären. Es gibt nirgends Windschatten, Angeln auf dem Meer ist bei diesen Bedingungen nicht möglich. Am Nachmittag nehmen wir unsere Spinnruten und machen einen schönen Spaziergang auf der Hafenmole. Im Hafenbecken können wir auf den Sandbänken mehrere Plattfische sehen, auch zwei Meerforellen ziehen am Rand der Mole entlang. Sie ignorieren jedoch unsere (viel zu großen Wobbler). Vom Molenkopf bringt nahezu jeder Wurf einen Fisch. Hauptsächlich Pollacks bis vier Pfund aber auch ein Hornhecht und einige Makrelen sind dabei. Wenige hundert Meter von unserer Unterkunft entfernt ist das schon eine brauchbare Alternative bei diesem Wetter.

Da der Wetterbericht weiterhin Sturm voraus sagt, überlegen wir, wo wir sonst fischen können.

Ein Anruf bei come2norway und Karsten Spilker vermittelt den Kontakt zu Geir Tönissen, bei dem wir uns erkundigen, welche Angelmöglichkeiten bei diesem Sturm bestehen. Geir rät zu einem Besuch bei Ronald Braun. Er lebt mit seiner Familie seit vielen Jahren in Südnorwegen und kennt jede Angelstelle in Lista und ist nahezu täglich mit Fliegen-, Spinn- oder Brandungsrute unterwegs. Der Rest der Woche ist somit gerettet, auch wenn wir nur bedingt passende Ausrüstung mithaben.

Bei strahlendem Sonnenschein erkunden wir einige der Stellen, die uns Ronald Braun genannt hat. Zuerst fahren wir zum nördlichsten Punkt, dem Varnes Fort. Die Wanderwege in herrlicher Natur können wir sehr empfehlen. Die Aussicht aufs Meer ist teilweise grandios. Die Festungsanlagen wurden als Teil des Atlantikwalls erstellt, waren jedoch nie in den Krieg involviert. Die Bunker- und Geschützanlage ist eine Besichtigung wert. Die Küste ist wild zerklüftet, tiefes Wasser direkt in Ufernähe, sicherlich ausgezeichnet für Dorsche und Pollack. Nach und nach tasten wir uns nach Süden vor. Unterwegs werden im Supermarkt noch ein Kilo Garnelen gekauft. Ein ganz heißer Tipp ist die Kviljöbucht, eine von Ronalds Lieblingsstellen für Meerforelle und Steinbutt. Der Parkplatz liegt in den Dünen, kein Mensch ist hier. Ein Spaziergang durch die Dünen, überall blühen die typischen Pflanzen, und wir stehen an einem endlosen Strand. Der Sturm bläst uns ins Gesicht, trotz Sonnenschein ist es empfindlich kalt. Die Spinnruten werden mit Nachläufermontagen versehen, als Köder dienen die Garnelen. Natürlich hat Katharina wieder den ersten Biss, sie landet einen schönen Steinbutt nach nur fünf Minuten fischen. Gleich darauf folgt eine 55er Meerforelle. Auch Sebastian und ich haben „Petri Heil“, ein ganz kapitaler Hornhecht und mehrere gute Schollen fallen auf den Köder herein. Hier haben Gäste von Roland mehr als 100 Meerforellen in einer Woche beim Fliegenfischen gefangen. Natürlich wurden die allermeisten schonend zurückgesetzt. Ronald konnte an einem Abend neun Steinbutte fangen. Glückspilze erwischen ab und zu kapitale Wolfsbarsche mit Gewichten bis zu 10 Pfund. Aus dieser Bucht stammen auch die Heilbutte, gefangen von Geirs Bruder, die den Grundstock für eine Heilbuttzucht in Netzgehegen bildeten. Dies ist wahrscheinlich DER Platz in Südnorwegen, um Heilbutt vom Ufer aus zu fangen.

Wir sind in den folgenden Tagen noch des Öfteren hier und wundern uns über die ausgezeichneten Fänge. Die Angelei vom Ufer ist auf der Listahalbinsel ein echtes Highlight und nicht nur als Alternative bei schlechten Wetterbedingungen zu sehen.

Die Anfahrt erfolgte von Hirtshals nach Stavanger mit der MS Bergensfjord. Die Rückfahrt mit der Fjord Cat, der schnellsten Fähre von Kristiansand nach Hirtshals. Weitere Informationen auf der Webseite von Fjord Line.

Angeln Norwegen Teil 1
Angeln Norwegen Teil 2.

(für Inhalte und Bilder ist der Autor Sebastian Büssing verantwortlich)

Nautnes – im Banne der Lengs

Direkt am offenen Nordatlantik und dicht vor der wunderschönen Hafenstadt Bergen finden Sie ein Revier der Extraklasse. Gerade die stattlichen Lengs aus dem Gebiet um Nautnes sorgten in den letzten Jahren immer wieder für Aufsehen. Dorsche, Köhler, Pollacks, Schellfische und Lumbs runden neben einer weiteren großen Fischpalette dieses einmalige Revier ab.

PDF aus Kutter und Küste Nr. 36
www.kutter-und-kueste.de