Borhaug Südnorwegen – Wandern anstatt zum Fischen aufs Meer zu fahren.

Wetterpech im Sommer auf der Listahalbinsel

Die Fahrt von Dortmund nach Hirtshals verläuft bei schönstem Wetter absolut problemlos. Wir sind an Bord der HSC Fjord Cat, der schnellsten Fähre zwischen Hirtshals und Kristiansand.  Dieses Schiff stellte sogar einen Weltrekord für die schnellste Überfahrt zwischen den USA und Großbritannien auf. Wir sitzen im Buffetrestaurant. Eine große Auswahl an warmen und kalten Gerichten, Kuchen, Kaffee, Desserts stehen zur Verfügung. Auch Mineralwasser, Softdrinks, Bier, Wein und Kaffee sind im Preis inklusive. Die Zeit vergeht beim Essen viel zu schnell. Beim Zoll werden wir durchgewunken, andere haben weniger Glück.

Nach eineinhalb Stunden Fahrt ist Borhaug erreicht. Schnell sind unsere Utensilien in dem gemütlichen Ferienhaus verstaut. Wie immer in den letzten Jahren haben wir bei come2norway gebucht. Die Aussicht von der Terrasse ist großartig.

Ferienhaus mit einer fantastischen Aussicht
Ferienhaus mit einer fantastischen Aussicht! Foto: Tanja und Sebastian Büssing

Etwas Sorgen bereiten uns der Wind und die Schaumkronen auf den recht hohen Wellen in der Bucht. An eine Fahrt auf das offene Meer ist heute nicht zu denken. Natürlich möchten wir Fisch zum Abendessen haben, deshalb fahren wir zum Hafen von Borhaug. Aus den vergangenen Jahren wissen wir, dass im Hafen Plattfische und Meerforellen und am Ende der Mole Pollack, Dorsch, Makrele und Hornhecht zu fangen sind. Auch heute klappt es wieder, schon beim ersten Wurf hängt ein kampfstarker Pollack am Haken. Weitere folgen. Auch Tanja fängt ihre ersten Fische. Das Abendessen ist gesichert.

Brandungsfischen anstatt Hochseeangeln

Bei strahlendem Sonnenschein frühstücken wir auf der Terrasse. Leider bläst der Wind wieder so stark, dass an Hochseeangeln nicht zu denken ist. Zum Glück bieten die Sandstrände südlich von Borhaug genügend Möglichkeiten zum Brandungsfischen, wir haben Glück und fangen Meerforellen, Schollen und je einen Hornhecht und Steinbutt. Mehr zu der Fischerei von diesen Stränden ist bei den Norwegen Angelfreunden oder im Norwegen Angelforum einzusehen.

Die Ausbeute beim Angeln in Norwegen
Die Ausbeute beim Angeln, Foto: Tanja und Sebastian Büssing

Der Wetterbericht verheißt nichts Gutes. Den morgigen Tag werden wir zum südlichsten Punkt Norwegens fahren und im Skreliagebiet wandern. Wir fahren von Lyngdal in Richtung Åpta, nach kurzer Zeit sehen wir ein Schild mit der Aufschrift Skrelia. Dann biegen wir in einem kurvenreichen Kiesweg ein und bald erreichen wir den Parkplatz. Nun müssen wir uns für eine von mehreren Routen entscheiden. Die Wege sind mit roten und gelben Farbmarkierungen direkt auf dem Felsen gekennzeichnet.

Das Gebiet ist leicht zu durchwandern. Felsen, von Wind und Wetter blankgescheuert, mit zahlreichen kleinen Gewässern in denen man sogar baden darf, wechseln sich mit Moor und Heide ab. Obwohl die Skrelia nur 350 Meter oberhalb des Meeresspiegels liegt, hat man das Gefühl im Hochgebirge zu wandern. Nach einer viertel Stunde stehen wir oberhalb des Wasserfalls. Der Wind peitscht uns feine Wassertropfen ins Gesicht. Der Ausblick ist großartig. Entlang des Wasserfalls kann man zum Fjord absteigen. Überreste alter Mühlen und eines Sägewerks sind dort zu sehen. Die Wanderungen in diesem Gebiet sind einfach und lassen sich eigentlich von Jedem bewältigen.

Heute schaffen wir es aufs Meer!

Die Wellen tragen immer noch Schaumkronen, nur zwei weitere Boote sind zu sehen. Große Makrelen, Dorsche und zwei Pollacks landen in der Fischkiste. Genug für das Essen der nächsten Tage. Nach nur zwei Stunden geben wir auf, die Schaukelei bei den Driften ist zu ungemütlich und die Wellen werden noch höher. Auf der Rückfahrt zu dem Hafen begleiten uns einige Tümmler für einige Zeit.

Frisch gefangener Dorsch, Foto: Tanja und Sebastian Büssing

Der Preikestolen am Lysefjord

Diese Felsplattform ermöglicht einen tollen Blick über den Lysefjord und die angrenzende Berge. Mit ca. 650 Quadratmetern ist sie recht groß und trotzdem immer von Touristen bevölkert. Pro Jahr wandern mehr als 250.000 Menschen zu diesem attraktiven Touristenziel im Süden Norwegens. Der Reiseführer Lonely Planet zählt den Preikestolen zu den spektakulärsten Naturdenkmälern der Welt. Wir parken (10 NOK) am Ende der Straße an der Preikestolhytta und machen uns auf den Weg zur Felsenkanzel. Es sind nur 3,8 Kilometer mit einem Höhenunterschied von 330 Metern zu bewältigen, trotzdem dauert der Aufstieg zwei Stunden.

Schon zu Beginn des Aufstiegs geht es steil einen Bergrücken hinauf. Ganz schön anstrengend für uns „Schreibtischhocker“. Erholsam dagegen der nächste Abschnitt. Bohlen liegen auf dem morastigen Boden im Wald. Danach dürfen wir ein Geröllfeld zum Neverdalsskaretpass hinaufsteigen. Der kleine See lädt eigentlich bei strahlendem Sonnenschein zum Baden ein, der starke Wind lässt uns diese Möglichkeit jedoch schnell vergessen. Weiter oben können wir über mit Geländern gesicherte Treppen den Weg fortsetzen. Der Preikestolen liegt vor uns. Er ist nicht gesichert, also Vorsicht, vom Rand geht es 600 Meter in die Tiefe. Die beeindruckende Landschaft und die Aussicht entschädigen uns für die Mühen des Aufstiegs. Es besteht auch die Möglichkeit, den Preikestolen vom Boot aus zu besichtigen.

Mehrere Reedereien bieten Ausflugsfahrten durch den 40 Kilometer langen Lysefjord an. Der Abstieg ist für Tanja und mich nicht einfacher als der Aufstieg. Wir sind doch etwas geschafft als wir unser Auto erreichen. Herrlich am Abend die gebratenen Makrelen und der gedämpfte Dorsch mit einem Riesling vom Weingut Peter Geiben an der Ruwer.

Aussicht auf den Lysefjord
Aussicht vom Preikestolen, Foto: Tanja und Sebastian Büssing

Der Wind will einfach nicht nachlassen, wir fischen deshalb vor dem Ferienhaus auf Schollen und kleinere Dorsche oder an den südlich gelegenen Stränden auf Wolfsbarsch, Meerforelle und Steinbutt. Anschießend erkunden wir die sehenswerte Listahalbinsel. Die folgenden Tage können wir jeweils einen halben Tag aufs Meer. Die Fänge sind für Südnorwegen sensationell, Borhaug und die gegenüber liegende Insel Hidra gehören bestimmt zu den besten Fanggründen Südnorwegens. Die gefangenen Dorsche überschreiten ab und zu sogar die Metermarke, 2 Leng wiegen über 10 Kilogramm.

Aufstieg zum Kjeragbolten

Am vorletzten Tag wollen wir es noch einmal wissen. Wir werden den Aufstieg zum Kjeragbolten in Angriff nehmen. Der Bolten, ein Monolith vom ca. 5 Kubikmeter Größe ist in einer Felsspalte 1.000 m über dem Lysefjord eingeklemmt. Er ist eines der Touristenziele der Region und beliebter Ausgangspunkt für Basejumper. Der Wanderweg zum Kjerag beginnt am Restaurant Øygardstølen. Ein Hinweisschild am Parkplatz gibt uns einen Überblick über die Route. Der Aufstieg ist ca. 9 Kilometer lang, 620 Höhenmeter müssen überwunden werden. Für den Hin- und Rückweg muss man je nach Wetterbedingungen 5 bis 7 Stunden einplanen.

Die Wanderung beginnt mit einem steilen Anstieg, ganz schön kraftraubend. Die an den steilen Anstiegen angebrachten Eisenketten können eine große Hilfe sein. Danach überqueren wir zwei Höhenrücken. In den Tälern herrscht sumpfiges Gelände vor. Im Moor neben dem See ist der Pfad mit Bohlen belegt. Der zweite Abschnitt des Weges kann von uns bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein relativ leicht begangen werden. Wieder geht es steil aufwärts. Immer öfter ist nur noch der blanke, abgeschliffene, Granit zu sehen. Nochmals können wir uns in einem flacheren Teilstück etwas ausruhen. Nach einem weiteren Anstieg erreichen wir das Kjerag-Plateau.

Es sind nur noch wenige Minuten bis zum sagenhaften Bolten. Rechts von uns kann man zu den Kjeragnasen gehen, einen weit überhängenden Felsvorsprung. Natürlich ist mir etwas mulmig im Magen als ich das schmale Felsenband überquere, das zum eingeklemmten Monolith führt. Ein letzter Schritt, Adrenalin pur, und ich stehe auf dem Felsbrocken über dem Fjord. Ein Traum ist wahr geworden.

Adrenalin pur, Kjerag Bolten über dem Lysefjord, Foto: Tanja und Sebatsian Brüssing

Am letzten Tag machen wir noch einen, zugegebenermaßen, kurzen Versuch auf dem Meer. Die Fänge für Südnorwegen sind ausgezeichnet. Die sehr hohen Wellen zwingen uns jedoch zum Rückzug. Die Rückfahrt mit der HSC Fjord Cat ist trotz des Wellengangs unproblematisch. Zu Hause angekommen verfolgen wir aufmerksam den Wetterbericht. Schon am Tag unserer Heimreise flaute der Wind ab. In den nachfolgenden Wochen waren Ausfahrten aufs Meer täglich möglich. Wir hatten einfach Pech, wurden aber durch unvergessliche Ausflügen entschädigt.

Text und Foto: Tanja und Sebastian Büssing

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