Im Schein des Nordlichts

Fischen jenseits des Polarkreises – Mit Blick auf die berühmten Lofoten erstreckt sich östlich von Bodø eine traumhafte Angelregion im südlichen Vestfjord, die bislang wenig bekannt ist. Lars Berding hat das Revier unter die Rutenspitze genommen.

Die atemberaubende Natur empfängt uns mit schroffen Felsformationen, die von unzähligen, malerischen Buchten mit weißen Sandstränden unterbrochen werden. Seeadler ziehen am Himmel ihre Bahnen und saftig grüne Hügel säumen selbst jetzt in der kalten Jahreszeit die Berghänge: Das Klima ist dank Golfstrom ganzjährig mild.

Steigen ist einer dieser kleinen, sympathischen Orte, an denen das Wort Hektik kein Pendant in der Landessprache kennt. Jenseits des Polarkreises lebt man gemächlich. Das Örtchen liegt direkt am Südufer des Vestfjords, der nördlich von den legendären Lofoten begrenzt wird. Wir befinden uns somit in einem der bekanntesten und besten Meeresreviere überhaupt.
Steigen scheint zudem der ideale Ausgangspunkt für Fischzüge auf die unterschiedlichsten Arten zu sein: Mehr Abwechslung auf kleinstem Raum bei direkter Nähe zum offenen Nordatlantik ist kaum möglich. Steile Kanten fallen mitunter binnen weniger Drift-Sekunden von Sichttiefe bis auf weit über 100 Meter ab. Sandplateaus, kleine Straumen und zahlreiche Untiefen – das Revier rund um Steigen bietet im Radius einer halben Bootsstunde alles, was man sich im Nordatlantik nur wünschen kann. Die Schären bieten Schutz vor dem mitunter recht ruppigen offenen Meer. Die gleichzeitige Nähe zum tiefen Wasser und etwa drei bis dreieinhalb Meter Tidenhub sorgen für Strömung und einen reichen Nachschub an Nahrung – Garant für viele und kapitale Fänge.

Die Artenvielfalt ist enorm! Im Mittelwasser hat auf einen 350 g Pilker diese stattliche Makrele gebissen. Foto: BLINKER/S. Kaufmann

Die ganze Fischpalette

Der Zielfisch, der wohl die meisten Angler hierher lockt, ist sicherlich der Heilbutt. Ob geschleppt, mit Naturköder oder mit Gummifisch: Die Platten gehen hier auf alles, was ihnen gerade vors Maul schwimmt. Dazu kommen große Köhler, die einem die Schnur wie Tesafilm von der Rolle ziehen und prächtige Dorsche, die auffallend kompakt und wohlgenährt sind. Außerdem findet sich hier die gesamte Palette der sonstigen Meeresfische ein, die als gern gesehener Beifang an die Haken geht.
Sogar Brandungsangeln ist möglich. Entscheidet man sich wie wir für eine Reisezeit außerhalb der Hauptsaison (Mai-September), stehen die Chancen zudem gut, neben tollen Fischen auch die legendären Polarlichter zu Gesicht zu bekommen.

Draußen pustet der Wind mit Böen bis acht Beaufort. Andernorts K.O.-Kriterium, ist das in Steigen keineswegs ein Grund, im Hafen zu bleiben. Unser Guide Paul steuert einfach durch den Schärengarten gezielt die Plätze an, die abgewandt vom offenen Wasser und windgeschützt liegen. Nach einer Woche konstanten Starkwinds müssen wir jedoch damit leben, dass die Fische etwas versprengt stehen. Und die besten Fangplätze lassen sich nur an zwei Tagen ansteuern. Sicherlich keine optimalen Wetterbedingungen, dennoch müssen wir keinen Tag in der Anlage bleiben und können jeden Tag fischen. In Steigen findet sich immer ein geschützter Bereich.

Neuer Norwegenfan

Schließlich schaffen wir es doch noch, eine Untiefe nahe der offenen See anzusteuern. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Nachdem ich einen ordentlichen Fisch hake, kurbelt Steve schnell ein, um Fotos zu schießen. Plötzlich rummst es in seiner Rute und ein Drill beginnt, den Norwegenneuling Steve so noch nicht erlebt hat. Am anderen Ende an der Leine zerren 15 Pfund Fisch und die haben offensichtlich überhaupt keine Lust, mit an Bord zu kommen. Immer wieder geht der Fisch in die Bremse und Steve hat einige Mühe, den Kämpfer an die Oberfläche zu drillen. Nach einigen Fluchten gelingt es mir dann letztendlich, einen Prachtköhler für Steve zu landen. Oberglücklich und breit grinsend präsentiert er den Fang und ist zu Recht stolz.

Steve mit seinem bislang größten Köhler. Dank hervorragender Revierkenntnisse des Guides konnten wir auch an schwierigen Tagen mit widrigen Wetterverhältnissen tolle Fische fangen. Foto: BLINKER/L. Berding

In den kommenden Tagen fangen wir eine schöne Palette an Meeresfischen. Dorsche, Makrelen sowie Leng, Lumb, Köhler, Schellfisch – alles auf einem etwa 30 Meter tiefen Sandplateau. Eine anglerische Bandbreite, die ich ansonsten in Nordnorwegen nur selten auf so engem Raum vorfinde. Aufgrund des Windes ist die Drift allerdings oft so schnell, dass selbst unsere schwersten Pilker keinen Grundkontakt mehr haben. Wir sind mit der Woche dennoch zufrieden. Steigen wird uns in allerbester Erinnerung bleiben. Revier, Anlage und Team vor Ort sind die Garanten für tolle Tage nördlich des Polarkreises.

Ab September bis in den Mai hinein kann das Naturschauspiel der Polar- oder Nordlichter mit ein wenig Glück direkt bewundert werden. Unbedingt an ein Stativ für die Kamera denken: Langzeitbelichtungen sind nötig, um das spektakuläre Lichterspiel entsprechend einzufangen.
Foto: Paul Sylvfest Fortun
Die Unterkünfte bieten unverbauten Ausblick bis auf die Lofoten. Perfekt, um nach einem anstrengenden Angeltag so richtig die Seele baumeln zu lassen – und mit der Kamera im Anschlag auf das großartige Abendspektakel der Nordlichter zu warten.
Foto: BLINKER/S. Kaufmann

Quelle Text: BLINKER

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